Untermenue von: Veranstaltungen
- 1: Die SPUR von morgen.
- 2: ADAM.
- 3: PETRUS und der Hahn.
- 4: Katholikentag Mannheim.
- 5: ÖKT 2010.
- 6: Highlights.
- 7: Pressestimmen.
- 8: Archiv.
- 8.1: Musik-Wallfahrt 2011.
Musik-Wallfahrt 2011
Kein berühmter Ort, kein großes Oratorium, sondern die eigene Gottsuche war die inhaltliche Zielsetzung der Musikwallfahrt 2011. Eine Woche in einem abgelegenen Berg-Kloster in den italienischen Alpen. Chorsingen mit Gregor Linßen, Denkanstöße und geistliche Begleitung durch Pfr. Heinz Vogel, Bergwandern und Ausruhen mit Cappucino... Das örtliche Ziel: das Refugio Gnuti unterhalb des Adamellomassivs.
Eine sehr beeindruckende Wallfahrt ist zu Ende.
Wir danken allen, die dabei waren: Für eure Offenheit, Fröhlichkeit, Freundschaft und euer Vertrauen - in uns und in das, was wir mit euch vorhatten. Ihr habt diese Reise zu etwas ganz Besonderem gemac
Das Tagebuch
Reisetagebuch der Musikwallfahrt nach Garda di Sonico Sommer 2011
von Sabine Rhein
Vorbemerkung
Dieses Tagebuch beginnt mit dem Papstbesuch in Freiburg. Die 8-Frauen-Crew des Kleinbusses Freiburg-Garda hatte so viel Spaß mit den Anekdoten rund um den Papstbesuch (ich sag nur: Schweizer Garde im Priesterseminar, das neue Kartenspiel „Papst sticht“ & der McDrive fürs Papamobil in der Fußgängerzone), dass Doro kurzerhand beschloss, mich davon zu überzeugen, die Anekdoten der Musikwallfahrt für unsere Crew als Reisetagebuch zu verfassen. Nachdem in der Folge drei Leute unabhängig voneinander mich gefragt haben, ob ich das Tagebuch nicht allen zur Verfügung stelle, habe ich ja gesagt. So kam es, dass ich in den Proben nicht nur mit dem Probenbleistift meine Noten beschriftet habe, sondern auch noch weitere Dinge außerhalb der Noten festgehalten habe.
Für alle Nichtwallfahrer die genauere Typenbezeichnung
Christina Hernold - Organisations-Königin
Heinz Vogel - Priester
Gregor Linßen - musikalischer Prophet
Christoph Seeger - Chorleiter
Johannes Wedeking - Stimmbildner
Samstag, 30.07.2011
Es geht los – wir gehen wallfahren!
Kurzer Live Ticker zur Fahrt: 8 Frauen und ein Kleinbus unterwegs von Freiburg nach Garda.
· Die Schweiz besteht ausschließlich aus Bergen, Tunneln und Kurven.
· Allerdings sind die schweizer Kurven nichts gegen italienische Kurven. Kunigunde, unser Navi, hat uns eine Abkürzung nach Aprica gezeigt; gefühlt haben wir auf 3 km 15 km zurückgelegt und 400x gewendet. Doro hat ihr Kleinbus-umkurvt-Kurven-Diplom gemacht und bekommt zur Belohnung ein Viertele (da wussten wir ja noch nix von den Grappas… siehe später).
· Im italienischen Eiscafé gab es zwei Sorten Vanilleeis – was für ein Luxus (da wussten wir noch nix von dem Essensluxus, der uns erwarten würde).
· Dorle und Sabine hatten beim Überfahren der schweizer-italienischen Grenze die gleiche Frage: „Müssen wir jetzt unverzüglich unsere Warnwesten anziehen?“
· Wir lassen uns eine Idee patentieren: Schweizer Handies brauchen einen Kuhglocken-Klingelton.
· Und last not least: Wir haben ein Phantom: Wolfgang! Er tauchte virtuell in unserem Bus immer wieder auf – in Garda wurde das Phantom dann endlich real!
Ankunft in Garda di Sonico – die wichtigsten Infos:
Fortunato ist der Chef des Hauses; seine Frau ist die heimliche Chefin; und ganz heimlich ist ANTONIO der Cheffe! Antonio ist ein original neapolitanischer Pizza-Bäcker. Wir hoffen auf Pizza.
Antonio hat beim Abendessen ein weißes Hemd an. Sarah vermutet, dass die zwei Damen, die zum Abendessen kamen, seine Mutter und seine Tante sind, die täglich neue weiße Hemden bringen. Es gab 4 Gänge zum Abendessen. Wow!
Zum Kennenlernen haben wir uns nach Vornamen alphabetisch aufgestellt – in einer Spirale. Spiralen sind wichtig – das haben wir von Gregor gelernt. Denn man kann die Lautstärke wie in einer Spirale hoch oder runter drehen, um den Party-Effekt zu erleichtern (oder so ähnlich?).
Und dann haben wir gleich die Messe mal vom Blatt durchgesungen – und unglaublich aber wahr – es war gar nicht mal so schlecht. Wir sind musikalisch, auch wenn die meisten von uns beim Durchsingen schon halb vor Erschöpfung einschliefen! Hut ab vor den Helbraern, die 20 Stunden unterwegs waren.
Sonntag, 31.07.2011
Nach dem Frühstück: Die WG Zimmer Nr. 7 benötigt WC-Papier. Sabine fragt Antonio auf Englisch.
1. Versuch: Antonio bietet Sabine pantomimisch Handtücher an.
2. Versuch: Antonio führt Sabine zum Schrank mit den Tischdecken.
3. Versuch: Antonio hat die Erleuchtung „Aaaah, carta hygienica!“ Und bringt eine Familienpackung WC-Papier, von der Michael befürchtet, dass sie auf die Zimmer-Rechnung von WG 7 geht.
9.20 Uhr: Die „Polizia“ (it.: poliere = putzen) rückt an – in Form von Martha mit dem Putz-Geschwader, die Doro unmissverständlich aus ihrer Wohnküche werfen. Haben die eigentlich bei Euch anderen auch immer geklopft und „Polizia“ gerufen oder nur bei uns?
9.30 Uhr: Einsingen mit Johannes: Wir lernen, dass unsere Hände wie gleichpolige Magneten sich gegenseitig abstoßen und machten Denksport: „o“ singen und „a“ denken. Also, z.B.: „Gordo di sanica“ denken.
Gregor bringt uns bei, dass Singen Tanzen mit der Zunge ist. Oh, diese Erkenntnis werden wir in den nächsten PTK-Tagen noch gut gebrauchen können! Wenn jemand von draußen reingekommen wäre, als wir einmütig „Tod, Tod, Tod, Tod“ aufsagten…
Nachmittags waren wir auf Spurensuche im Steinzeit-Weltkulturerbe. Ich finde, es war eine Mischung aus Meditation und Schnitzeljagd. Grischdina hat mit der Kohle ihren Arm angemalt – Gregor hat das ganze Blatt schwarz gemalt und dann den Steinzeitkrieger mit dem Finger rausgeschält (kreativ!) – meine Kleingruppe meint, dass, weil ich auf den Stein gefallen bin, meine Spuren in 10000 Jahren gefunden werden.
Beim Gebet in der kleinen Kapelle ermutigte Heinz uns, nachzudenken, wer in unserem Leben Spuren hinterlassen hat und welche Spuren als Christ wir hinterlassen möchten. Als wir gemeinsam das Hosanna sangen, hatte ich zum ersten (aber absolut nicht zum letzten Mal auf dieser Wallfahrt) Gänsehaut.
Heute gabs vor dem Abendessen ein Klarinetten-Konzert. Gregor hat dann die Essensgänge präsentiert. Da er beim Pasta-Gang aufgehört hat, zu präsentieren, dachten wir (also die, die in meiner Nähe am Tisch saßen), dass auch das Essen da endet und schlugen uns den Magen mit der wunderbaren Pasta voll. Als wir kurz vor dem Platzen waren, kam der Hauptgang: Hühnchen mit Kartoffeln – und danach der Nachtisch. Oh mein Gott!
Im Gottesdienst leitete Heinz eine Performance an: „Für die Kommunion tauschen bitte die Menschen in der ersten und die Menschen in der zweiten Reihe die Plätze – äh – das wird schon irgendwie gehen.“ Gott, bin ich froh, dass Markus mich so kompetent gelotst hat – ich hätte mich beim Kommunion-Austeilen angesichts der Performance hoffnungslos verlaufen. Die nächste Herausforderung: Wir gravieren UNSERE Spuren in Speckstein und können dann entscheiden, ob wir die Steine mitnehmen oder für die Nachwelt hierlassen. Was für eine tolle Idee!
Montag, 01.08.2011
Heute sollen wir das Leben wählen – sagte Heinz in Anlehnung an Deuteronomium 30 im Morgengebet. HEUTE! Und wie gestern im Gottesdienst sangen wir „Unser Ja sei ein Ja“ – es passt halt einfach!
Chorprobe:
Perkussives Singen mit Gregor, das geht so:
wia – wo, wia – wo, wia – wo
gdd – gdd – gdd
chmm – chmm – chmm
(Ok, Gregor, Du hast schon Recht: Singen ist Tanzen mit der Zunge – oder auch aktives Reiten.) Wichtig ist, dass man irgendwo den Mikrobeat schlägt – gerne auch auf den Nachbarn! Sarah schlägt vor, dass wir unsere Warnwesten anziehen und einen perkussiven Rap singen.
Christoph ist der Meinung, dass die Sept eine Farbe ist und der Alt solle seine Sept einfach empfinden.
Johannes hat ein Lieblingslied aus dem Kindergarten: „Meine Hände sind aus Gummi.“ Da hat er allerdings recht!
Heute gibt’s 2x4 Gänge zum Essen – es gibt jetzt JEDEN TAG 2x4 Gänge zum Essen. Wir müssen den Berg am Freitag hochrollen!
Wir hatten den ganzen Nachmittag frei. Frei! Ich war vollkommen verwirrt, denn bei ADAM und PETRUS hatten wir manchmal auch frei, aber halt echt eher MANCHMAL! Beim Steinesägen applaudierten wir, Birgit und ich für eine geschaffte Säge-Aktion, indem wir den Mikrobeat auf den Mülleimer schlugen. Was wir nicht wussten: im Mülleimer war ein Wespenschwarm. Was wir nicht wollten: Eine Wespe stach Gregor. Sorry!
Abends beim Essen war die einzige Rettung, um den 3. und 4. Gang noch zu schaffen, ein zwischengeschalteter Grappa. Das Gesicht von Antonio als wir mitten im Essen „quattro grappa“ bestellten, kann man leider nicht beschreiben. Gott sei Dank ließ Doro sich nicht von unserem Vorhaben abbringen. Wir waren bereits vor der Bestellung angetrunken, was wiederum zur Vorbereitung des Abendgebetes sehr hilfreich war: „Heit leesch isch Dia vor, Lebbe unn Dood, Seesche unn Fluuch, wähls Lebbe.“ (Das war Rheinhessisch.)
Den Bibelvers hörten wir in allen vorhandenen Dialekten – um ihn mit der uns am längsten und tiefsten vertrauten Sprache zu hören. Sehr bewegend. Am tollsten fand ich ich das Mansfelderisch!
Nächtliche Probe:
Walldorf und Stettler waren sich nicht einig, aber sie mögen sich. Christoph wollte auch was sagen – und wurde daher von Susi kurzerhand „Kermit“ getauft, damit er auch in der Muppets-Show dabei ist.
Es flogen Bälle und alle weiteren beweglichen Gegenstände mit wilden Geräuschen durch den Raum - Gehörbildung. Und wir mussten „Gehen wir“ auf einem einzigen Ton singen, jeder ein Wort - Rhythmusbildung. Und die Hauptstimme lernte, entschieden „NEIN!!!!“ zu singen – Klangbildung.
Übrigens:
ALLE sind eingeladen! Nach Helbra! Helbra wäre nicht Helbra, wenn nicht die Quartiere schon komplett organisiert worden wären – noch bevor wir überhaupt wussten, dass alle eingeladen sind. Die Helbraer sind unglaublich!
Di, 02.08.2011
„Schau nicht zurück, Lot!“ – das war das Morgengebet. Also hier auf der Wallfahrt hab ich das Gefühl, dass wir es ganz gut hinkriegen, was in dem Gedicht steht: Jeden Morgen beim Aufwachen Geburtstag feiern!
Das Einsingen:
Die Romeos sangen und performten: Signo-o-o-ra.
Die Julias: Signo-o-o-re.
Und auf ausdrücklichen Wunsch hier der wunderbare Kanon des Johannes:
T: Trauben und Wein
B: Hopfen und Malz
A: Rosenparfüm
S: Oh, lass das sein (Der Sopran hatte eine zentrale Rolle in dem Ganzen: Die Männer wieder vom Stammtisch abholen!)
Christoph hat seine Info von gestern ergänzt: Der Ton hat nicht nur irgendeine Farbe – die Farbe ist lila! Ab jetzt müssen wir uns immer melden, wenn wir falsch singen.
Der nächste Teil des perkussiven Singens - wir singen „Kommt und seht“:
Sabbada sabbada sa
Da da bad bad da bad ba
Sabbada sabbada sa
Tataaa!
Bei der Open Air Probe tanzten wir um Christoph rum, der im faulen Ei stand – derweil Johannes sein Haar aus dem Turm-Gefängnis runterließ.
Nachmittags hatten wir lange Siesta und haben Steine gemeißelt. Gregor entbirgt aus seinem Stein einen Hahn – wir unterschreiben alle und der Hahn bleibt hier.
Der Spruch des Tages kommt für mich von Johannes: Als ich bei der Stimmbildung verwirrt im Raum umherschaute, weil ich mich noch nie so habe singen hören, und nach dem Grund für die gute Akustik suchte, meinte er: „Das liegt nicht am Raum“. Hey, Johannes, Du kannst echt Töne entbergen!!! Das geht sicher nicht nur mir so – deshalb muss es auch hier festgehalten werden!
Das Tischgebet beim heutigen Abendessen war „Hier kommt die Sonne“ von Rammstein. Martha ist ein Rammstein-Fan und wir wurden es aus Solidarität auch. Danach gab es Pizza satt. Die Helbraer Jungs haben die restliche Pizza in ihre Vesperbox gepackt – recht habt Ihr!
Das Abendgebet:
„Leben Sie heute die Fragen“ hörten wir (leider hörten wir es nicht so oft wie wir es hätten hören sollen, weil ein paar Lese-Personen nicht genau wussten, dass sie jetzt an der Reihe sind – das hatte aber laut Heinz den Vorteil, dass wir es am kommenden Morgengebet gleich noch mal hören durften). Heinz und andere sangen „Wer bin ich?“ – ohne Worte - dankeschön!
Mi, 03.08.2011
Beim Morgengebet kam also die Nachhut von „Leben Sie heute die Fragen“.
Beim Bibeltext „Unverkennbar seid Ihr ein Brief Christi. (…) Geschrieben (…) nicht auf Tafeln aus Stein, sondern – wie auf Tafeln - in Herzen aus Fleisch“ bekam unsere Stein-Meißel-Spuren-Entbergen-Aktion noch mal ne andere Note. „Dass unsre Schritte von Heute seine SPUR von morgen sind“ sangen wir dann auch noch.
Heinz, bei Deinen Gebeten passt halt alles zusammen.
Beim Einsingen waren wir Handpuppen. Und haben gelernt, dass jeder sein eigener Toscanini ist. Gregor brachte uns afrikanische implosive Laute bei:
„Paulchen hat ein Hütchen, das sieht so schmuck aus.“ (Leider hab ich keine Ahnung, wie ich das P, H und SCH als implosiven Laut darstellen soll, also lass ich’s mal so.)
Der Aufstieg zum Refugio ist laut Gregor das Kyrie, wir sollen im Swing wandern. Und wenn wir schon bei der Muppets-Show sind: Wenn Gregor hinterm Klavier groovt, erinnert er irgendwie an den Klavier-Hund in der Muppets-Show. Gott sei Dank waren wir bisher nicht so schlecht, dass Gregor wie der Hund hätte seinen Kopf aufs Klavier fallen lassen müssen.
Zum Mittagessen gibt’s jetzt „nur“ noch „Pasta Basta“, damit wir den Berg hochkommen. Nach Essen und Siesta (hatte ich schon erwähnt, dass unser Tagesablauf aus mangeare, cantare und preghare besteht?) wanderten wir los. Rammsteins Sonnenlied war leider nicht so hilfreich. Nach 500 m begann es zu regnen. Zum Glück erbarmte sich Petrus (wir haben ja auch gerade zu ihm einen guten Draht) und es hörte nach weiteren 500 m wieder auf. Der Aufstieg war gar nicht so schlimm – gefühlt haben wir mehr Pausen gemacht, als dass wir gewandert sind – sehr sympathisch. Oben erwartete uns nicht nur eine Alm-Hütte mit Bar, sondern auch ein Gedenkort zum 1. Weltkrieg. Leider fiel das Nachspüren in den Schützengräben und das Gedenkgebet dem Gewitter zum Opfer. Es reichte nur für ein kurzes „Frieden wird wahr“ mit akuter Blitz-Gefahr. Also erfreuten wir den Alm-Wirt mit „Gehen wir“ und zahlreichen Bestellungen.
15 Todesmutige stürzten sich ins Gewitter und kamen – man höre und staune – vor den Auto-Fahrern, die den kürzeren Weg genommen hatten und früher losgelaufen waren, an. Dies ist vor allem Markus zu verdanken, der an den Steigungen zur Motivation die Pfälzer Kindermesse intonierte, die auch zum Wetter brillant passte: „Die Sonne hoch am Himmelszelt, alles hat Gott gemacht.“ Die Mitwanderinnen zwischen Jahrgang 1965 und 1973 kannten das Lied selbstverständlich und trällerten mit. Und die Sonne – die kam tatsächlich noch mal vorsichtig durch!
Die Heldin des Tages war Maria, die den Berg barfuß bezwang und die Steine auf dem Weg locker als Fußmassage bezeichnete. Wow!
Das für die Alm geplante Buffet fand nun wegen des Wetters im Haus statt. Doro bestellte zunächst „PommoDORO per DORO“ und danach 7 Grappas. Antonio erklärte Doro, sie solle doch eine ganze Flasche Grappa kaufen, das sei „economico“. Auf diesem Weg gelang Doro das Schnäpp(s)chen: Die Flasche kostet 12 EUR, beinhaltet aber gefühlte 35 Grappas, müsste also eigentlich 70 EUR kosten. Demnach sparte Doro 58 EUR, davon wiederum kann sie weitere 4 Grappa Flaschen kaufen.
Das Abendgebet, bei dem Antonio dank unserer Turbo-Tisch-Aufräum-Aktion heute dabei sein konnte, war sehr bewegend. DANKE an Teresa und v.a. an Maria für die Friedensgeschichte von ihrem Uropa. Was für ein Geschenk, dass wir aus „Ost“ und „West“ heute gemeinsam hier sein können!
Do, 04.08.2011
Beim Morgengebet ging es um Glaube, Hoffnung und Liebe. So ein schönes Lied: „Glaube und Liebe und Hoffnung sollen nie aus meinem Herzen weichen…“
Probe:
Requiem für einen Hahn! Wir besangen den Verstorbenen in Moll „Der Hahn ist tot…“.Und wie jeden Tag auch heute eine neue Erkenntnis: Synkopen-Singen ist eine Erziehungsfrage.
Wir sollen morgen beim Hochlaufen nun doch nicht das Kyrie swingen, sondern „Gott, wir kommen zu Dir“. In jedem Schritt sitzt laut Gregor eine Triole. Christoph deutet es eher geistlich: Wir können den ganzen Aufstieg lang das Eingangslied der Messe singen und auf diese Weise verlängert sich die Messe um 2 Stunden.
Also haben wir in der Probe die Wanderung schon mal vor-gesungen, mit „Gott, Du bist hier bei uns“: Erstmal ging es eine ganze Weile den Berg hoch und wurde immer steiler und langsamer – dann kam Gott sei Dank eine Ebene – und dann ging’s runter, aber ganz schnell!
Nach dem Mittagessen gab’s die wunderbare Schuhvermehrung im Hof. Morgen können nun alle sicher den Berg hochkraxeln und keiner muss shoppen gehen. Bettina möchte wie die Heilige Maria von einem Esel den Berg hinaufgetragen werden. Die Verhandlungen mit den Eseln dauern noch an – denn die weiblichen Esel haben derzeit Migräne.
Vor dem Abendessen sang uns Fortunato das Lied vom Gesicht wie ein Engel vor – nur für die Frauen, versteht sich. Es war gigantisch. Ich hab mich während des großen Auftritts gefragt, ob Johannes dem Fortunato wohl eher „Mona Mona mong“ oder „Bobbele Bobbele“ raten würde.
Die Generalprobe, halb open air – nun ja – hm – wir waren schon besser. Unser Amen am Ende des Hochgebetes war das Zweitüberzeugendste. Christoph und Gregor meinen, wenn wir es morgen so singen, heißt es statt „so ist es“ eher „von mir aus“. Aber morgen wird’s toll!! Johannes wird morgen übrigens der mobile Bass – echt wie bei den Wise Guys.
Beim Abendgebet haben wir den Faden der Liebe mit dem Faden der Musik verbunden. Wer wollte, bekam einen persönlichen Segen. Ganz ehrlich: Nach diesem Abendgebet fehlen mir die Worte! Nur so viel: Ein besonderes DANKE an die Helbraer für die Musik, v.a. dass Ihr das Lied „Worte der Liebe“ x-mal von Hand abgeschrieben habt, um es für uns singen zu können.
Fr, 05.08.2011
Der Tag x!
70 wagemutige Wanderer zogen los. Die Autos brachten uns zum Starpunkt der Wanderung. Und genau wie vorgestern begann es pünktlich mit Start der Wanderung zu regnen. Christoph und Gregor ähnelten in ihren Riesenponchos dem Glöckner von Notre Dame – aber sie hatten den Vorteil, dass sie im Gegensatz zur überwältigenden Mehrheit der Gruppe nicht bereits nach wenigen Metern durchnässt waren.
Es regnete und regnete – und kurz vor dem Einstieg in den Berg fiel die Entscheidung: Wir kehren um. Auch der Bibelvers von Heinz „Ich hebe meine Augen auf zu den Bergen, woher kommt mir Hilfe“ brachte nicht die ersehnte Hilfe in Form von Sonne. Hm… sehr sehr schade! Manchmal spielt das Leben ein seltsames Spiel!
Ein paar besonders Wagemutige kraxelten weiter, die anderen gingen zurück zu den Autos. Und wieder war es wie vorgestern: kaum waren wir an den Autos, hörte der Regen auf. Auf halber Strecke nach Hause sollte es einen Stopp geben, damit die, die noch ein Stück Weg nach Garda laufen wollten, dies tun konnten. Irgendwann hielten die Autos an und die Insassen des Freiburg-Busses stiegen wanderlustig aus. Ich hatte irgendwie das Gefühl, dass wir noch gar nicht wegen des Wanderweges nach Garda anhielten, sondern nur wegen des Gegenverkehrs – aber da keiner auf meinen Einwand reagierte, gab ich mich geschlagen und dachte mir, dass Heinz ja ganz sicher den Weg kennt. Als alle Autos weg waren, standen wir da – ziemlich dumm! Denn natürlich war es NICHT der Wanderweg nach Garda! Und Heinz hatte keinen Schimmer vom Weg. Nun denn, wir sind ja Pilger, also liefen wir einfach die Straße runter – und zum Glück wars nicht so weit zu den anderen.
Heinz hätte das ganze gleich wieder wett machen können, wenn er uns aus seiner mobilen Kaffeemaschine den angekündigten Espresso serviert hätte – aber das Aggregat war wohl wegen der Kürze der Wanderung nicht aufgeladen. So gab’s erst ein Stehpicknick (leider ohne Wein, da Heinz nach eigenen Angaben nur die Hostien dabei hatte) und dann nen Café in der Bar in Garda. Die Tischmusik kam diesmal von Heinz, der uns vorsang, dass die Arbeit kein Frosch ist. (Das wäre doch auch mal ne gute Einsingübung, oder?!).
Derweil waren die Bewohner des Refugio wohl so erfreut, dass wenigstens ein paar Helden den Weg zu ihnen geschafft haben, dass sie sich mit tibetanischen Kalendern revanchierten. Was tut es da zur Sache, dass das Jahr schon halb rum ist – die Geste zählt. Bei der Höhen-Wanderung durften Beate, Birgit, Grischdina und Bruni erfahren, dass die 3. Strophe des Kyrie wahr ist. Uff! Gott sei Dank – und zwar im wörtlichen Sinne! Auf dem Rückweg konnte ein Teil der Höhen-Wanderer gar nicht genug kriegen: Gregors Versuch, sie mit dem Bus nach Hause zu bringen, war nur teilweise erfolgreich – einige ließen sich unterwegs aussetzen und wanderten den Rest des Weges.
Als alle da waren, feierten wir unsere Messe. Wir begannen draußen vor der geöffneten Kirchentür. Boah, die Solisten von „Kommt in sein Haus“ haben mich echt so überwältigt, dass ich meinen Part nicht mehr singen konnte.
Auch wenn wir nicht auf dem Berg feierten, wir feierten dennoch den Vorabend des Festes Verklärung des Herrn – und auch ohne hohen Berg gab’s die Bergerfahrung. „Kommt und seht“ heißt laut Heinz eigentlich wörtlich übersetzt „Kommt und Ihr werdet sehen“ – klarer sehen, tiefer. Hm… ne schöne Beschreibung für so manche Erfahrung diese Woche.
Der Godi war sehr sehr schön, und wir haben auch echt schön gesungen. Es war eine ganz neue und bewegende Erfahrung, dass wir wirklich nur für uns gesungen haben. Ich muss da an die mittelalterlichen Baumeister denken, die oben auf dem Dach der großen Kathedralen ganz tolle Ornamente in den Stein gemeißelt haben, obwohl kein Kirchenbesucher sie je sehen wird – eigentlich haben sie sie nur für sich und Gott gebaut.
Bei den großen Oratorien haben wir ja immer ein einheitliches T-shirt an. Da das bei der Messe fehlte, hat es sich quasi von selbst organisiert: „Riservato a che ha una TREMENDA voglia di vivere.“ Passt eigentlich perfekt, oder?!
Manche sangen bei der Messe ein bisserl zu wenig: Christoph war nach eigenen Angaben „noch nicht so weit“, als das „Herr ich bin nicht würdig“ ertönen sollte. Im Gegenzug sangen manche ein bisserl zu viel: Zum Beispiel Heinz in der ersten Strophe von „Kommt und seht“. Und er hielt die Verabredung ein: Jeder, der in der 1. Strophe „Gott ist hier“ reinsingt, muss einen Wein spendieren – sehr zur Freude der Umsitzenden beim Abendessen.
Beim Abendessen machten Teresa und Gregor eine erste Abfrage, wer evt. nach Helbra kommt. Zu unserer großen Freude meldete sich Antonio auch! Abends wurde dann im kleinen Kreis demokratisch entschieden, dass Johannes dienstverpflichtet wird, nach Helbra zu kommen. Die Helbraer werden ihn am Ortsschild abholen und eskortieren. Ob er dann – im Partnerlook mit Heinz – das von Gregor geschenkte rosa T-shirt trägt?
Zum weiteren Verlauf nur so viel: Die Nacht war kurz!
Samstag, 06.08.2011
Passend zum Abschied bekamen wir im Morgengebet den Text vorgelesen, in dem Gott seinen Namen nennt: ICH BIN DA.
Nach dem Frühstück trafen wir uns alle noch mal in der Kapelle – rund um unsere Kohlebilder und unsere Steine. Unsere Steine sprechen für sich – sie erzählen von so viel durchlebtem Leben, von Träumen, von Hoffnungen…
Es war ein bewegender Abschied. Unsere italienischen Freunde waren dabei. Antonio hielt eine kleine Rede. Er sagte, dass wir das Herzblut der Gastgeber verdient haben und dass wir in ihrem Herzen bleiben. Der Klarinettist spielte noch mal für uns. Gregor und Grischdina bekamen von uns je einen Persönlichen DANKE-Brief. Die Gastgeber bekamen eine original Mansfelder Tragetasche. Und der Stein-Hahn bekam seinen Platz direkt unter dem Altar – auf dem Hahn die Aufschrift: „Wir wissen nicht, ob wir noch mal hierher kommen, aber wir glauben, dass wir uns wieder sehen.“
Heinz und Gregor ermutigten uns, nicht am Wunsch nach einer Wiederholung der Wallfahrt hängen zu bleiben, sondern weiter zu erzählen, weiter zu singen, weiter zu tragen, was wir hier erlebt haben. DAS ist Kirche! Gehen wir, Gott gab uns die Stärke… … …
Nach einem nicht enden wollenden Abschied nun die Busfahrt im Freiburg-Bus:
Wir haben eine Kette gebildet: Doro lenkte den Bus – Johanna lenkte Doro – und der Himmel lenkte Johanna. Hut ab!
Wir hatten eine Erscheinung: Mitten in der Schweiz sprachen wir darüber, dass Johannes aussieht wie Dän von den Wise Guys in jungen Jahren. Passend dazu hörten wir „Das ist der Hammer“ von den Wise Guys und stellten fest, wie perfekt der Text zu den eigentlich nicht in Worte fassbaren Erfahrungen bei der Wallfahrt passt (wer das Lied nicht kennt – sehr zu empfehlen!). Beim nächsten Wise Guys Lied schrie Doro laut auf – am Straßenrand stand der Neusser Bus, incl. Johannes. Das ist doch der Hammer!
Die Erscheinung trat auch noch ein zweites Mal auf: Im Autozug standen wir direkt vor dem Neusser Bus und konnten so Christoph und Johannes eindrucksvoll demonstrieren, dass auch unsere Hände aus Gummi sind und sich wie gleichpolige Magneten abstoßen.
Im Autozug haben wir eine Marktlücke entdeckt: Man hätte im Tunnel einfach noch ein paar Totenschädel ergänzen können, dann hätte man zusätzlich zur Zugkarte noch Eintritt für die Geisterbahn verlangen können.
Leider haben wir unsere Erscheinungen dann an der Raststätte Heidiland verloren. Aber ich kann schon verstehen, dass die großen und kleinen Kinder im Neuss-Bus sich diese Raststätte nicht entgehen lassen konnten.
So kamen wir um 20 Uhr in Freiburg an – und dachten mit Hochachtung an die Helbraer, die noch mindestens 12 Stunden Fahrt vor sich hatten.
Nachklapp – noch ein paar wichtige Erkenntnisse der Wallfahrt:
· Kannibalismus ist sö-kö-pött!
· Rilke ist genial!
· In manchen italienischen Städten fährt die Eisenbahn über den Marktplatz.
· Wer perkussiv singen lernen möchte, sollte zuvor italienisch lernen: „Kommete unende sehete.“
· Die Kölner haben nur einen Dom und keine Kathedrale, weil sie das Wort „Kathedrale“ nicht aussprechen können - allein das Wort „Dom“ hat ja schon drei Silben!
· Gesungene Töne soll man wie Parfüm einatmen und zugleich raussingen (funktioniert tatsächlich!)
· Man kann nie genug essen!
· Der König (die Königin), der Priester und der Narr waren anwesend – und haben sich brillant ergänzt.
· DANKE!!!

















