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Die Suche nach dem Richtig, Wichtig und Gut

    
Wer sich die Frage stellt „Was will ich?“ muss auch die Frage „Wer bin ich?“ beantworten. Die Fragen sind nicht voneinander zu lösen.
Wenn ich nicht weiß, wer ich bin, kann ich nicht wissen, was ich tun soll. Denn das wogegen oder wofür erfordert einen Standpunkt. Wenn ich zwar weiß, wogegen oder wofür ich bin, aber nicht weiß, wer ich bin, kann es schnell sein, dass meine Worte falsch mindestens aber unnötig sind.

Also: „Wer bin ich?“ oder anders: „Was macht mich aus?“
Dazu drei offene Fragen:

1. Ich versuche nach christlichen Maßstäben „echt“ zu leben und damit in der Welt zurecht zu kommen, in der ich lebe. Wie konsequent kann ich diese Prämisse im Zusammenhang mit meinem Lebensumfeld leben?

2. Ich habe die Möglichkeit, die mir mitgegebenen Gaben zu entfalten. (Das ist ein Grundrecht, das noch lange nicht selbstverständlich jedem Menschen zugestanden wird.) Welche Aufgabe bekomme ich damit übertragen? Welche Bedeutung wird mir zugemessen?
Ich weiß, dass es sowohl bessere Musiker alsauch weit bedeutsamere Texter gibt. Da ändert auch kein Weltjugendtagslied etwas daran. So wichtig bin ich nicht. Aber ich glaube, ...

3. ... dass meine Gedanken nach der Auseinandersetzungen mit den Gedanken Anderer ausgereift genug sind, dass ich sie selbst zur Diskussion stellen kann. Kann, darf oder muss ich das tun, unwissend, welchen Kreis von Hörern sie erreichen werden und ebenso unwissend, was mein Tun bewirkt?

Jetzt erst stellt sich die eigentliche Frage „Was will ich?“

Ich will von meiner Suche nach dem Richtig, Wichtig und Gut erzählen, weil mich seit meinen philosophischen Begegnungen mit Albert Claus, Felix Porsch in den 1990er Jahren u.a. diese Suche beschäftigt. Es geht mir nicht um "Mission". Ich stelle nur das von mir gedanklich Gefundene anderen zum Weiterdenken zur Verfügung, in der Hoffnung, dass dieses Weiterdenken zum Glücklich-Sein im Miteinander von Menschen einen Beitrag leistet. Dies entspricht wieder dem künstlerische Prinzip meines „Künstlervaters“ Wilhelm Pfeil:– das Wahrnehmen und Verwandeln von Gefundenem.

Fulbert Steffensky hat gesagt:
„Ein guter theologischer Satz hat einen Freund und einen Gegner. Er hat Interessen.“

Die Aussage reicht auf den ersten Blick nicht! Es gibt gute Sätze, die ohne Gegner auskommen. Es kann in einem Satz z.B. nur darum gehen, Freude auszudrücken. Ein solcher Kernsatz eines Textes ist vollkommen in Ordnung und kann gut sein. Und er kann reichen, um ein Lied daraus zu komponieren, dass die Aufgabe erfüllt, Gemeinschaft zu stiften. Bei dem, was ich will, wird es mir aber höchstens als „Opener“ helfen.

Erst indem ich bei der Aussage von Steffensky im „gut“ auch „richtig, wichtig und“ mitdenke, bekommt der Satz die Bedeutung, der ich zustimme.
Freund und Gegner bezeichnet dabei mehr als Zustimmung oder Ablehnung seitens der Adressaten des Textes. Es meint, dass ein guter Satz die persönliche Entscheidung fordert, entweder seiner Aussage konsequent zu folgen oder die Folgen der Verneinung  oder Nichtbeachtung ebenso konsequent zu akzeptieren. Ich bin mir oft selbst der Gegner in der Nichtbeachtung des offensichtlich Richtigen, Wichtigen und Guten. Ein guter theologischer Satz will etwas. Er will zum Nachdenken bringen. Die aus den eigenen Gedanken folgende Forderung nach Konsequenz ist dann mitunter allerdings selbstgefährdend. Sie kann Einen ans Kreuz bringen. Aber sie ist bitter notwendig.

Selten, sehr selten, habe ich das Gefühl, dass ein Lied wirklich etwas bewirkt. Wenn das passiert, dann hat das Lied einen guten theologischen (oder philosophischen, zumindest nachdenkenswerten) Kern. Es gibt wenige „richtig, wichtig und gute theologische Sätze“ in meinen Liedern. Das Lied „Unser Ja sei ein Ja“, dass in der Verarbeitung der Abschiedsbriefe von Nikolaus Groß entstanden ist, gehört dazu.
Ich stelle es zur Diskussion.

Gregor Linßen (Febr. 2008)



Unser Ja sei ein Ja!
Unser Nein ein Nein!
Unser steter Begleiter soll die Wahrheit sein.
Und wie DU, Gott, willst,
so soll es sein.
Raum und Zeit sind DEIN.

->  Noten "Unser Ja sei ein Ja"  pdf 164 kB